Urdenbach



Laufzeit: 1660-1960

Umfang: ca. 66 Kartons

lfd. Nummern: 254

Findmittel: 1963, 2020

Signatur: 4KG 123

Findbuch Urdenbach

Die Kirchengemeinde Urdenbach mit aktuell ca. 3250 Gemeindegliedern ist eine unierte Gemeinde reformierten Ursprungs. Möglicherweise geht der Kern der Gemeinde auf niederländische Weber zurück, die wegen ihres Glaubens aus der Heimat vertrieben wurden, mit Sicherheit aber wurde bereits in den frühen 1580er Jahren der Heidelberger Katechismus in der Pfarrstelle unterrichtet. Die Union besteht urkundlich seit 1839, wurde aber faktisch von Anfang an praktiziert.

Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg, bei der Machtübernahme des Herzogtums Jülich-Berg noch protestantischen Glaubens, übergab den reformierten Urdenbachern 1609 die Benrather Kirche für die Ausübung ihrer Gottesdienste. Nach der Konvertierung des Herzogs zum katholischen Glauben, entzog er 1616 der Gemeinde mit der Übergabe der Benrather Kirche und den dazugehörigen Renten an einen katholischen Priester die Grundlage und Legitimation, so dass der damalige reformierte Pfarrer nur durch die finanzielle Unterstützung der nun wieder „geheimen“ Urdenbacher Gemeinde und denjenigen Benrathern, die sich am 1. Januar 1617 zur evangelischen Lehre bekannt hatten, ein Gehalt von 250 Talern erhielt. Im Normaljahr 1624 hielt die Gemeinde nachweislich Gottesdienste in einem Urdenbacher Privathaus ab. Vier Jahre später verlor sie mit der Vertreibung des Pfarrers vorläufig das Recht auf öffentliche und private Religionsausübung, konnte sich aber durch die Ereignisse der Zeit - Eroberung Wesels durch die Holländer 1629, das Vordringen der Schweden 1632 und die Einlagerung hessischer Truppen 1644 - behaupten und bekam sogar ein neues Predigthaus. Dieses wurde 1639 allerdings von der pfälzischen Regierung in Düsseldorf wieder geschlossen und der damalige Pfarrer für die unerlaubte Fortführung seines Amtes gemaßregelt, genauso wie die Gemeindeglieder aus Monheim, die ihre Kinder in Urdenbach taufen ließen. Im weiteren Kriegsverlauf brannte das Predigthaus nieder und musste 1653 mit Hilfe auswärtiger Glaubensgenossen wiederaufgebaut werden.

Die Beschaffung finanzieller Mittel war eine Hauptaufgabe des Presbyteriums, das damals aus fünf Urdenbachern und Baumbergern, zwei Benrathern und einem Monheimer Vertreter bestand, was kongruent zur Gliederung der Gemeinde mit Urdenbach als religiösem Zentrum war. Da keine festen Renten mehr für das Pfarrgehalt zur Verfügung standen, mussten freiwillige Gaben herhalten, die aber auch noch die Schule und Lehrer unterhalten und die Armen versorgen mussten und außerdem noch Abgaben an die katholische Pfarrei in Benrath entrichten. Zudem reichte das Predigthaus nicht mehr aus, die wachsende Gemeinde zu beherbergen, sodass 1684 der Bau einer Kirche beschlossen wurde, die aber erst 1693 bezogen werden konnte. Diese Kirche ist die zweitälteste Kirche in Düsseldorf und dank umfangreicher Renovierungen 1919 eine gut erhaltene, historische und bauliche Besonderheit.

Die Union der Evangelischen Gemeinden wurde nach der Erhebung Mohnheims 1838 zur eigenen Gemeinde 1839 auch urkundlich fixiert. Weiterer Zuwachs in Urdenbach während der Industrialisierung führte zunächst zu einem Gemeindehaus in Benrath und einer Hilfspredigerstelle. Zwei Jahre später errichtete man bereits eine zweite Pfarrstelle und 1918 eine dritte. Weitere Kirchengebäude mussten für die wachsende Gemeinde errichtet werden, eine Kapelle in Holthausen 1908, ein Gemeindehaus in Urdenbach 1913 und die Dankeskirche in Benrath 1915. Außerdem fanden seit 1917 alle zwei Wochen Gottesdienste in der eigens errichteten Schlosskapelle zu Garath statt.

Erst 1947 wurden die Gemeinden Benrath und Holthausen von Urdenbach abgetrennt und mit der Übernahme der zweiten und dritten Pfarrstelle zu eigenen Gemeinden erhoben.

Bestand: Es wurden nur Akten mit einer Laufzeit bis maximal 1961 ins Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland übernommen, die Kirchenbücher nur bis zum Jahr 1950. Spätere Dokumente sind ausschließlich im Gemeindearchiv Urdenbachs zu finden. Der Bestand deckt nahezu lückenlos die Geschichte der Gemeinde ab, beginnend mit den Pfarrstellenakten ab 1609, Protokolle des Konsistoriums bzw. Presbyteriums ab 1653 und den anfänglichen Streitigkeiten mit den Katholiken in den Jahren 1653-1663. Die Chronik setzt mit dem Jahr 1697 ein.

Inhalt u.a.: Die Quellenlage zur Gründung und Etablierung der Gemeinde ist günstig. Pfarrstellenakten und Personalunterlagen der Pfarrer setzen bereits 1609 ein. Der Bestand enthält auch die Bauakten der heute noch genutzten Kirche in Urdenbach von 1686 und Dokumente der Einweihung rund sieben Jahre später. Besonders erwähnenswert ist die lückenlose Überlieferung der Presbyteriums- bzw. Konsitoriumsprotokolle von 1653-1958. Die Chronik setzt erst im Jahr 1697 ein und ist bis 1930 geführt worden. Die Kirchenbücher gehen ebenfalls bis in Konsolidierungsphase zurück, mit einem Sterberegister ab 1716 und einem Taufregister ab 1755, Trauungen wurden bereits ab 1670 dokumentiert.

Literatur: Helmut Ackermann: Düsseldorf-Urdenbach. Geschichte der evangelischen Gemeinde und des Ortes. Düsseldorf ³1993.

Ergänzende Archivbestände: 1OB 008 (Ortsakten Urdenbach); 1OB 020 (Provinzialkirchenarchiv)