Landeskirchenmusikdirektor Gerhard Schwarz Foto: Hans Lachmann

Landeskirchenmusikschule

1949-1975

Umfang: 41 Kartons

Findmittel: 2019

Signatur: 2LR 007

Landeskirchenmusikschule PDF 66 KB

Die Landeskirchenmusikschule wurde 1949 in Düsseldorf-Kaiserswerth gegründet. Die Leitung der Schule übernahm der frühere Direktor der Berliner Kirchenmusikschule Gerhard Schwarz. Definiertes Ausbildungsziel war die "Ausübung und Ausführung evangelischer Gottesdienstmusik" durch eine profunde Ausbildung professioneller Organisten, Chorleiter und Kantoren. Genauer gesagt, legte man den Fokus auf den „Aufbau eines geschulten Kirchenmusikerstandes, vor allem auf der B- und C-Stufe und der Erneuerung des alten Kantorendienstes zwecks der Förderung des gottesdienstlichen Singens“. Selbstverständlich wurden Kirchenmusiker auch auf der A-Stufe ausgebildet.

Die 1950er Jahre standen für die Landeskirchenmusikschule ganz im Zeichen bedeutender Änderungen. Durch den raschen Zuwachs an Schülern – die Schule zählte 1951 schon 41 Studenten – zog sie nach Wuppertal-Elberfeld in die Casinostraße. Im selben Zug fusionierte die Schule mit dem Kirchenmusikalischen Seminar, welches unter der Leitung Dr. Emilie Schilds stand. Bereits sieben Jahre später 1958,  bezog die Schule die neu erbauten Gebäude des damaligen Evangelischen Seminars in der Graf-Recke-Straße. Dort befindet sich noch immer die heutige Kirchenmusikabteilung der Robert-Schumann-Hochschule. Ferner wurde die Landeskirchenmusikschule in das Seminar für kirchliche Dienste eingegliedert.

Gerhard Schwarz, der für seine Improvisationstalente an der Orgel auch international großes Ansehen genoss, trat 1967 als Leiter der Schule zurück. Sein Nachfolger wurde Friedemann Schick. Unter seiner Direktion wurden zu Beginn der 1970er Jahre Gespräche geführt, die Ausbildung von Kirchenmusikern dem Land Nordrhein-Westfalen zu übertragen. Dieses hatte bereits 1972 die Trägerschaft für das Robert-Schumann-Konservatorium übernommen, nachdem letzteres in den Hochschulbetrieb überging. 1975 wurde schließlich die Ausbildung der A- und B-Kirchenmusiker dem Land Nordrhein-Westfalen übertragen: Die bisherige Landeskirchenmusikschule wurde in das Robert-Schumann-Institut integriert und bildet seitdem deren Abteilung für Ev. Kirchenmusik. Das Sommersemester 1975 verlief jedoch im Wesentlichen noch unter alten Bedingungen.

Die Unterlagen der 1975 aufgelösten Landeskirchenmusikschule wurden in den 1980er Jahren an das Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland übergeben. Dort wurde es teilerschlossen, mit dem Ergebnis eines vorläufigen Verzeichnisses unter der Verwendung einer (alpha-)nummerischen Signatur.

Da für den Gesamtbestand weder ein Aktenplan oder ein Aktenverzeichnis vorlag, wurde bei der gegenwärtigen Erschließungsarbeit eine neue, auf thematisch-inhaltlichen Kriterien aufbauende Klassifikation für den Bestand der Landeskirchenmusikschule gebildet. Die bisherigen erschlossenen Einheiten wurden dabei in den Gesamtbestand eingegliedert, welcher mit einer neuen Numerus Currens – Signatur versehen wurde.

Die Unterlagen wurden dem Archiv in Stehordnern abgegeben. Größere Schäden waren nicht vorhanden, sodass der umgebettete Bestand sich konservatorisch im guten Zustand befindet.

Kassiert wurden v.a. Finanzunterlagen, etwa Rechnungen, Zahlungsbelege, Quittungen, Versicherungspolicen. Ferner vernichtet wurden alle Duplikate sowie zwei Kartons an Notenblättern, da es sich hierbei ausschließlich um Kopien und nicht um Originale handelte.

Der Bestand ergibt sich aus 257 Archiveinheiten (41 Kartons), die den Zeitraum 1949-1975 umfassen. Plakate wurden dem Bestand entnommen, der Plakatsammlung zugefügt und im Plakatschrank plangelegt.

Der Inhalt des Bestandes wird überwiegend durch Verwaltungsmaterial abgebildet. Daneben finden sich etwa Handakten des zweiten Direktors Friedewald Gottschick. Eine  Besonderheit des Bestandes liegt in den Archivalien, die abseits des regulären Schulbetriebes tieferen Einblick in das aktive und vielfältige Schulleben von Dozenten und Studenten erlauben. So liegen  z.B. Unterlagen vor, die das Leben und Wirken von Gerhard Schwarz dokumentieren.  Berichte der Studienreisen und Exkursionen, Unterlagen zu Tonbandaufnahmen und (internationalen) Konzerten des Schulchors oder Korrespondenzen mit ausländischen Kirchenmusikern zeugen von einem regen und vielschichtigen Schulalltag mit praxisnahem Bezug.

Eigentümlich ist dem Bestand, dass er von dem Belziger Intendanten Günter Krolzig (1903-1979) gesammeltes Material enthält, welches das kirchenmusikalische Leben in und um Düsseldorf der 1960er und 1970er dokumentiert. Krolzig, der selber als Rezensent tätig war, trug v.a. Zeitungsartikel, Broschüren, Flyer oder Korrespondenzen zusammen, die diverse Konzerte und Veranstaltung mit kirchenmusikalischem Bezug aufweisen. Darunter finden sich auch Rezensionen zu Veranstaltungen der Landeskirchenmusikschule.

Ergänzende Bestände:

Ergänzende Archivbestände: 2LR 008 (Kirchenmusikschule); 1OB 017 (LKA-Sachakten), 11-17 (Kirchenmusik).

Ergänzende Literatur:

Cyganek, Ulrich/ Luchterhandt, Gerhard (2002): Von der Singbewegung zur neuen Musik. Festschrift zum 100. Geburtstag von Gerhard Schwarz (1902-1994), Düsseldorf; Landeskirchenmusikschule der Evangelischen Kirche im Rheinland, Düsseldorf [ca. 1965]; Landeskirchenmusikschule der Evangelischen Kirche im Rheinland, Wuppertal-Elberfeld [ca. 1955].